Talgeschichte(n)

Der Wendelstein ist einer der berühmtesten Berge Bayerns – und er war lange der berühmteste, noch vor der Zugspitze, das zeigt das neue Buch „Talgeschichte(n)“ des BR-Journalisten Andreas Estner. Der Wendelstein zählt in seiner Geschichte so viele Superlative, wie kein anderer Berg in Bayern. 1718 wurde die Gipfelkapelle errichtet – es ist die älteste Gipfelkapelle der Bayerischen Alpen. Schon 1780 wurde der Wendelstein offiziell erstbestiegen von Lorenz von Westenrieder einen Bericht verfasste, wie ein Everest-Besteiger: „Ich bin noch am Leben, denn ich schreibe, wenngleich an einem Ort, wo noch keines Menschen Hand geschrieben, vielleicht keine mehr schreiben wird …“.

Gut hundert Jahre später wurde das Wendelsteinhaus wurde eröffnet: Das erste Bergunterkunftshaus der Bayerischen Alpen. Schon 1886 bekam es eine Telefonleitung ins Tal – zu einer Zeit, in der es in den Ortschaften noch kein Telefon gab! Das Wendelsteinhaus war eines der modernsten Berghäuser der Ostalpen. In der Prinzregentenzeit kam der nächste Paukenschlag: Die erste Bergbahn der Bayerischen Alpen sollte gebaut werden. Entweder von Feilnbach oder von Bayrischzell auf den Wendelstein. Ein schwindelerregender Wettlauf dauerte fast 10 Jahre. Letztendlich wurde die Zahnradbahn von Brannenburg auf den Wendelstein gebaut und wenig später das erste Berghotel der Bayerischen Alpen. Eine logistische Meisterleistung und ein Paukenschlag in der deutschen Tourismusgeschichte. Binnen weniger Wochen entstand so etwas wie der erste Massentourismus, berichtete der Rosenheimer Anzeiger am 24.  August 1912 mit einem Augenzwinkern: „Bergfreunde in kurzer Wichs, Salontiroler von der Wasserkante, Elegants in Lackschuhen, Kinder mit ihren Erzieherinnen, ältere Ehepaare, welche nimmer den Weg zum Wendelsteingipfel bezwängen, freuen sich hier der Bergschönheit und bieten ein buntes Bild, das zu schauen stundenlang unterhält.“

Schon damals, zwei Monate nach der Jungfernfahrt, gab es übrigens die ersten Umweltprobleme. Der Miesbacher Anzeiger berichtete am 2. Juli 1912 über die Zustände:„Die Kellnerinnen werfen Massen von Wurst- und anderen Papieren einfach den Berg hinab, was bei der langsamen Verwitterung des Papiers bald zu einer abscheulichen Verunzierung der Landschaft führen muß. Freilich müßte auch das Publikum selbst durch energische Verordnungen und Mahnungen, vor allem an Anfang und Ausgang des Gipfels daran erinnert werden, alle Papierabfälle, Orangen- und Bananenschalen gefälligst wieder mit herunterzunehmen, sonst wird in ein paar Jahren der schöne Berg eine Filiale der Puchheimer Müllstation.“

Das Buch Talgeschichte(n) erzählt die Geschichte des Wendelsteins ausführlich und dazu noch viel mehr. Mit vielen Fotos ist „Talgeschichte(n)“ ein Lese- und Bilderbuch, das vertraute und neue Einblicke gibt in die Geschichte des oberen Leitzachtales und der gesamten Wendelsteinregion.

Talgeschichte(n) – Kultur, Historie und Lebensart im oberen Leitzachtal
552 Seiten, mit vielen historischen Fotos und Abbildungen
Preis: 54.- Euro
ISBN 978-3-00-070742-1

Infos auch unter: www.talgeschichten.com

Purpurlicht über dem Wendelstein

Purpurlicht über dem Wendelstein, aufgenommen vom Aschbacher Berg. Foto: Michael Schmuck

Im Gegensatz zu Morgen- oder Abendrot an Wolken ist Purpurlicht als zarter purpurfarbener Lichtschein bei wolkenlosen klaren Himmel zu sehen. Wenn die Sonne 2 bis 6° unter dem Horizont steht, wird das Sonnenlicht von kleinsten Staubpartikeln in der Stratosphäre gestreut. Je mehr dieser Aerosole vorhanden sind, desto intensiver ist das Purpurlicht.

In den letzten klaren Tagen konnte ziemlich oft intensives Purpurlicht registriert werden. Die Ursache könnte Saharastaub in höheren Luftschichten sein, der in den letzten Tagen mehrfach von Nordafrika an den Alpenrand transportiert wurde. Auch einige hochreichende Vulkanausbrüche haben die Nordhemisphäre mit zusätzlichen Streupartikeln angereichert.

Winterlandschaft

Der vergangene Freitag war ein besonders kalter Tag am Wendelstein. Detlef Dehn schreckten die zweistelligen Minusgrade nicht ab. Belohnt wurde er mit dieser traumhaft schönen Winterlandschaft. Wir freuen uns, dass er uns mit seinen Aufnahmen daran teilnehmen lässt 🙂

Kletterkünstlerin

Im Gegensatz zu uns Menschen, die nur in den Supermarkt gehen müssen, um etwas zu Essen zu kaufen, hat es die Gams derzeit deutlich schwerer. Auf der sonnigen Südwestseite des Wendelsteins findet sie im steilen Felsgelände Nahrung. Fotografiert von Detlef Dehn am vergangenen Samstag 18. Dezember.

Fallstreifen

„Wattebäusche zierten gestern den Himmel über dem Wendelstein. Quelle: foto-webcam.eu

Uns erreichte eine Frage: „Was waren das gestern Abend für seltsame Wattebäusche am Himmel? So etwas habe ich ja noch nie gesehen“.

Der Blick auf die Webcams enthüllte das Geheimnis. Bei den ungewöhnlichen Wolken handelt es sich um sogenannte Fallstreifen (Virga), die wunderschön von der untergehenden Sonne beleuchtet wurden. Diese streifigen, schlierigen oder tupfenartigen Wolkenstrukturen unterhalb der Wolkenbasis entstehen durch Eiskristalle oder Regentropfen, die auf dem Weg nach unten verdunsten und den Erdboden nicht erreichen. Fallstreifen entstehen meist dann, wenn höher gelegene, sehr feuchte Luftmassen auf eine trockenen Luftschicht aufgleitet.

Quelle: foto-webcam.eu