Eisheiliger Mamertus bringt Schnee

Wintereinbruch im Mai. Fotos: Claudia Hinz

In diesem Jahr haben die Eisheiligen pünktlich und sehr markant zugeschlagen und zwischen einem Hoch nördlich von Schottland und Tiefdruckgebieten über Skandinavien und dem westlichen Mittelmeer Polarluft nach Mitteleuropa gebracht. Von Muttertag bis heute Morgen sanken die Temperaturen verbreitet um mehr als 20°C. Zudem hat es in der letzten Nacht bis auf unter 1000 Meter herunter geschneit und ab etwa 1200 Meter Höhe hat sich eine Schneedecke ausgebildet. Auch der Wendelstein hat erneut sein Winterkleid angezogen. Dazu gab es Frost, auf den Gipfeln bis etwa -6°C, aber auch in einigen Tälern sank die Temperatur unter 0°C.

Um die Eisheiligen ranken sich einige der bekanntesten Bauernregeln wie „Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss“ oder „Die kalte Sophie macht alles hie“. Bis zu den Eisheiligen kann es Frost geben, lautet die Botschaft: Deshalb sollte davor nichts gepflanzt werden, was erfrieren kann.

Klimastatistisch gesehen sorgen tatsächlich in sieben von zehn Fällen (also etwa um 70%) um die Monatsmitte Kälteeinbrüche aus nördlichen Richtungen für letzte Nachtfröste, die nicht selten letzte Frostschäden an Pflanzen bringen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Singularitäten, also regelmäßig auftretenden charakteristischen Witterungstypen.

Ursprünglich handelte es sich bei den Eisheiligen übrigens um Gedenktage, die an Bischöfe und Märtyrer des 4. und 5. Jahrhunderts erinnern: Mamertus (11. Mai), Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und Sophie (15. Mai).

Wintereinbruch im Mai. Foto: Claudia Hinz

Der Winter gibt nicht auf

Zwischen einem kräftigen Hoch über den Britischen Inseln und einem skandinavischen Tief kommt seit gestern sehr kühle Luft nach Mitteleuropa. Gewittrige Schnee- und Graupelschauer brachten in der letzten Nacht in der Bergen noch einmal den Winter zurück. Auch auf dem Wendelstein wurde es nochmals weiß und die Blümchen wurden in Schnee gebettet.

Aber so markant dieser Kaltlufteinbruch kam, so schnell geht er auch wieder. Bereits heute Nachmittag setzte sich erneut Hochdruckeinfluss durch und die Sonne erwärmt die Luft in den Tälern bis Donnerstag wieder auf frühlingshafte 20°C.

Wo bleibt der Winter?

Vergleich der Schneelage 2019 und 2020. Quelle: foto-webcam.eu

Ja, ok, der Wendelstein ist noch etwas weiß. Aber wenn man mit gleichem Tag von letztem Jahr vergleicht, sieht man, wie wenig noch liegt. Immer wieder schlägt der Föhn zu und macht die Hoffnung auf’s Skifahren zunichte. Und für den Januar sieht es weiterhin nicht gut aus. Zwar schaut am kommenden Wochenende der Winter mal kurz vorbei und könnte auch etwas Schnee bringen, aber ab Dienstag schlägt der Föhn erneut zu.

Dass aber noch nicht alles verloren ist, zeigt beispielsweise das Jahr 1988. Auch da kam der Winter ewig nicht in Gang und der Schnee ließ auf sich warten. Erst zum Januarende kamen 50cm zusammen. Doch im Februar vermehrte sich dieser auf 1,90m und im März sogar noch auf 3 Meter. Bis Anfang Juni dauerte es damals, bevor der Gipfel wieder schneefrei war. Vielleicht bringt also der Februar noch das erhoffte Weiß, drücken wir uns die Daumen 🙂

Schnee aus dem letzten Winter

Am Wendelstein gibt es noch Schnee aus dem letzten Winter. Wo? In der Wendelsteinhöhle. Im hinteren Höhlenabschnitt herrscht eine Jahresmitteltemperatur von drei Grad Celsius. Unterhalb des natürlichen Höhlenausgangs ist die größte „Kältefalle“ und Schnee hält sich nicht selten den gesamten Sommer über. Auch den diesjährigen Jahrhundertsommer haben zwei größere Schneeflecken überlebt.

Fotos: Claudia Hinz

 

Frühlingshafter Sonn(en)tag in Sicht

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Gämsen im Winter. Foto: Claudia Hinz

Die Gämsen sind sichtlich genervt … schon wieder Schnee! Aber es gibt Hoffnung. Am Sonntag sollen die Temperaturen selbst auf dem Wendelsteingipfel bis 10°C ansteigen. Das reicht sicher nicht, um den Schneemassen wirklich etwas anzuhaben zu können (dazu nächste Woche mehr), aber immerhin ein Lichtblick…

Kesselgalerie

Gestern erreichte der Schaufeltrupp der Wendelstein-Zahnradbahn die Kesselgalerie. Auch dort hat sich eine ungeheure Menge Schnee verfrachtet. Vom Bergbahnhof auf 1.723 m trennen sie nach Freilegung derselben noch der Hotelhang und zwei Tunnels. Foto: Obermair

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Und so sah der Wendelsteiner Kessel gestern von oben aus. Von der Kesselgalerie und der Bahntrasse ist noch nicht viel zu sehen. Foto: Ostertag

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Schneemassen am Wendelstein

Dieses Foto, gestern aufgenommen aus dem Hubschrauber, zeigt die nach wie vor gewaltigen Schneemassen am Wendelstein. Hier im Bereich Hotelhang und die unter dicken Schneewachten verschwundene Kesselgalerie und Bahntrasse. An Skibetrieb ist in den nächsten Tagen nicht zu denken. Auch bei der Seilbahn ist bis auf weiteres keine öffentliche Fahrgastbeförderung möglich.

Foto: Obermair

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