Schnee aus dem letzten Winter

Am Wendelstein gibt es noch Schnee aus dem letzten Winter. Wo? In der Wendelsteinhöhle. Im hinteren Höhlenabschnitt herrscht eine Jahresmitteltemperatur von drei Grad Celsius. Unterhalb des natürlichen Höhlenausgangs ist die größte „Kältefalle“ und Schnee hält sich nicht selten den gesamten Sommer über. Auch den diesjährigen Jahrhundertsommer haben zwei größere Schneeflecken überlebt.

Fotos: Claudia Hinz

 

Rettungsübung in der Wendelsteinhöhle

Höhlen- und Bergretter-Team

Foto: P. Hofmann. Rund 25 Höhlen- und Bergrettung beteiligten sich an der Rettungsübung in der Wendelsteinhöhle.

Rettungsübung in der Wendelsteinhöhle

Foto: P. Hofmann. Rettungsübung in der Wendelsteinhöhle

Unter Federführung der Höhlenrettung Samerberg trafen sich am 8. September 2019 zahlreiche Rettungskräfte am Wendelstein, um einen Einsatz in der Wendelsteinhöhle zu üben. Mit dabei waren außerdem Fachkräfte der Höhlenrettungen München und Murnau sowie Mitglieder der Bergwachten Bayrischzell, Brannenburg und Bad Feilnbach. Trainiert wurde eine Rettung aus der so genannten Herzkammer, einem touristisch unerschlossenen Bereich in der Wendelsteinhöhle. Dorthin nämlich führt die anspruchsvolle „Wendelstein inside“-Tour, welche die Wendelsteinbahn in Zusammenarbeit mit fachkundigen Höhlenforschern vom Verein für Höhlenkunde in München in der Sommersaison regelmäßig für Interessierte anbietet.

Rettungsübung in der Wendelsteinhöhle

Foto: P. Hofmann.

Durch enge Kluften und teils über kurze Kletterpassagen wurde der „Verunfallte“ ohne größere Probleme aus dem Bauch des Berges befreit. „Es hat alles gut geklappt“, zeigt sich Florian Vogt, Geschäftsführer der Wendelsteinbahn, beruhigt. Auch eine Rettungssimulation im viel begangenen Schauhöhlenteil der Wendelsteinhöhle sei absolviert und reibungslos in nur zehn Minuten gemeistert worden.

Mehr Infos zur Wendelsteinhöhle hier 

Auf der Suche nach Neuland

Am vergangenen Wochenende waren erneut drei Höhlenforscher in der Wendelsteinhöhle, um abseits des rund 500 m langen Schauhöhlenteils eine mögliche Fortsetzung zu erkunden. Doch auch nach vier Stunden Steine beiseite räumen hat sich die enge Spalte als nicht „bekriechbar“ erwiesen. Nur das Wasser findet bei Regenfällen und während der Schneeschmelze seinen Weg durch diese enge Spalte.

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Bericht und Foto: Werner Zagler

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Der Schauhöhlenteil der Wendelsteinhöhle ist grau dargestellt, die touristisch unerschlossenen Gänge in gelb.

 

Unterwegs im Bauch des Wendelsteins

Sichtlich glücklich, stolz und zufrieden strahlen diese Teilnehmer der „Wendelstein inside“-Tour in die Kamera, nachdem sie unter fachkundiger Begleitung von Höhlenforscher Peter Hofmann (Bildmitte) die touristisch unerschlossenen Winkel der Wendelsteinhöhle erkundet haben. Fotos: Berthold und Elke Hauser

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Wendelstein inside Tour vom 1. Juni 2019

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Höhlenforscher Peter Hofmann auf der Suche nach Leben im Dunkel in der Wendelsteinhöhle

Höhlenforscher am Wendelstein

In den Wintermonaten ist die Wendelsteinhöhle wegen Vereisung, Schnee und nicht zuletzt aus Naturschutzgründen für Besucher geschlossen. Fledermäuse verbringen dort in der Abgeschiedenheit und Ruhe der Höhle ihren Winterschlaf. Im Auftrag der Naturschutzbehörde unternahmen zwei erfahrende Höhlenforscher am vergangenen Wochenende eine Fledermauszählung und mussten sich dazu den Eingang in die Wendelsteinhöhle erst einmal mühsam freischaufeln (Foto).

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Foto: Gertrud Keim

Der viele, innerhalb kurzer Zeit gefallene Schnee im Januar habe den Eingang komplett dicht gemacht, so dass so gut wie kein Luftaustausch stattfand und die Höhle in den vorderen Teilen nicht wie sonst üblich heruntergekühlt wurde, so Höhlenforscher Werner Zagler. Aus diesem Grund finde man in der Höhle bisher kaum Eisbildungen vor, folgert der Experte. „Dadurch, dass es während des Tages sehr warm war, war die Höhle tropfnass“, berichtet Zagler weiter. Im Schauhöhlenbereich wurden bei der Forschungstour keine Fledermäuse gesichtet. Erst im unerschlossenen Teil der Wendelsteinhöhle dokumentierten die Höhlenforscher zwei „Große Mausohren“ und eine „Bartfledermaus“. Im sog. neuen Teil werden weitere Exemplare vermutet, daher werden Bergsteiger dringend darum gebeten, die Höhle derzeit nicht zu betreten.

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„Großes Mausohr“ in der Wendelsteinhöhle. In den Wintermonaten halten die Fledermäuse dort ihren Winterschlaf ab. Bei jeder Störung verbrauchen die Tiere überlebensnotwendige Energiereserven.

Ab in die Kältefalle

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Vergleichsweise angenehme Temperaturen herrschen derzeit auf rund 1.700 m in der Wendelsteinhöhle. Vor allem im Bereich der sog. Kältefalle beim natürlichen Höhleneingang. Hier, am tiefsten Punkt des ca. 300 m langen Besucherweges, sammelt sich die gesamte kalte Luft. Da sie schwerer ist als die wärmere Außenluft kann sie hier nicht entweichen. Oft findet man dort auch im Hochsommer noch Schneereste vor.

Eine interaktive Station zum Thema „Biologie“ zeigt an dieser Stelle u.a. Wissenswertes zu Höhlentieren, die ungeschulten Augen für gewöhnlich verborgen bleiben.

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Darüber hinaus gibt es drei weitere interaktive Stationen in der Wendelsteinhöhle, die geologische, psychologische und auch philosophische Aspekte der Höhlenforschung erläutern.

Fotos: Peter Hofmann

Höhlen-Abenteuer am Wendelstein

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Am 21./22. Juli dreht sich am Wendelstein wieder ein ganzes Wochenende lang alles um das spannende Thema „Höhle“. Im Rahmen des Aktionsprogramms, welches die Wendelsteinbahn GmbH in Zusammenarbeit mit dem Verein für Höhlenkunde München e.V. und der Bergwacht bzw. Höhlenrettung durchführt, gewährt ein erfahrener Höhlenforscher Interessierten auch einen exklusiven Blick in die touristisch unerschlossenen Winkel der Wendelsteinhöhle (Foto: Peter Hofmann). Die Tour zur sog. Herzkammer ist recht anspruchsvoll und sicher nicht für jeden zu bewältigen.

Mehr Infos zum Höhlen-Erlebnis-Wochenende am Wendelstein: https://www.wendelsteinbahn.de/hoehlen-erlebnis-wochenende-am-wendelstein