Gedichte rund um den Wendelstein

Der Wendelstein
von Max Kleiber

Ungebändigte Glut und der Jugend gewaltiges Drängen
Hob aus der Tiefe mich einst über das Weltmeer empor,
Über dem trotzigen Scheitel verbrausten die Stürme der Urzeit,
Regenfluten und Eis nagten beständig am Leib.
Ruhend, nach wogendem Kampf, erschaut‘ ich nun träumend das Werden,
Sah mir zu Füßen Getier – kreisend umzog mich der Aar.
Jetzo kam auch der Mensch – erst schüchtern, doch immer mir näher
Zog er die Flanken herauf, stieg auf mein felsiges Haupt.
Baute sogar sich ein Heim auf der südlich ragenden Schulter,
D‘rauf ein zweites dem Herrn, Hohes erstrebte sein Sinn.
Traun, ich konnt‘ es nicht tadeln, d‘rum ließ ich ihn friedlich gewähren,
Ob auch im Anfang ergrimmt, seh‘ ich ihn heute doch gern.
Wahrlich, indem er mich liebt, den früheren Zeugen der Schöpfung,
Liebt er den Schöpfer wohl auch, der uns ja beide erschuf.
Quelle: Das Wendelstein-Kirchlein (1922) von Max Kleiber


Im Felsenkirchlein
von Karl Stieler (1842-1885)

Foto: Claudia Hinz

Es ist auf dem zackigen Wendelstein
Ein stilles Kirchlein gelegen;
Dort lag ich schweigend im Sonnenschein
Und sah dem Himmel entgegen.
Rings lag die blühende Gotteswelt,
Hochwald und duftige Wiesen,
Die blauen Wasser, das grüne Feld
Und drüber die Felsenriesen.
Kein Odem regt sich, der Buchfink nur
Flog auf mit schmetterndem Liede;
Und über Felsen und Flut und Flur
Schwebt seliger Sonntagsfriede.
Es keimen aus dem Gestein herauf
Bergblumen, die stillen, schwanken;
Da blühten auch mir im Herzen auf
Des Lebens stille Gedanken.
Kein Lichtglanz floß von dem kleinen Altar,
Kein Heilswort klang mir entgegen;
Ich lag in der Sonnen — aber mir war,
Als gäb‘ mir Gott selber den Segen!


Die Glocke vom Wendelstein
Innschrift der Glocke am Wendelstein von Ferdinand v. Miller

Hoch heroben, Menschen fern,
Will ich loben, Gott den Herrn,
Gott ich bitte, Gott ich preis,
Gott ich danke in meiner Weis‘.
Von hoch loben soll mein Läuten
unsern Bayernlande künden Fried‘!
Alle Zeit mein Rufen ist:
Hochgelobt sei Jesus Christ.

Foto: Helmut Unbehauen


Aus «Horaz in der Lederhos’n», 1912
von Eduard Stemplinger

Foto: Gabriele Meyer

Schaug auffi, Sepp, der Wendelstoa
is wie-r-a Zuckerhuat
die Bam hab’n mit’n Schnee grad z’toa
und’s Eis, dös macht si guat.
Trag Scheiter her und schür’ fest nei,
mach d’Schtubn wacherlwarm
Und schenk’ a Mass Tiroler nei,
Nimm d’Zupf’geig’n untern Arm!


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