Cumulonimbus – die Gewitterwolke

Kürzlich erreichte uns die Frage, ob es sich auf diesem Webcambild von Irschenberg in Richtung Wendelstein um eine Ambosswolke handelt. Ja, man sieht auf dem Bild sehr gut den Eisschirm in Ambossform, der charakteristisch für eine Gewitterwolke ist.

Gewitterwolken entwickeln sich aus Quellwolken (Cumulus), die bei Sonneneinstrahlung und hoher Luftfeuchte durch Verdunstung entstehen. Bei einer labilen Schichtung quellen sie immer weiter in die Höhe und die oberen Wolkenteile sehen oft aus wie ein riesiger Blumenkohl. Wächst ein Cumulus bis in das hohe Wolkenstockwerk auf 6.000 Meter Höhe hinauf, so beginnt der obere Teil der Wolke langsam zu vereisen. Das erkennt man daran, dass die erst scharfen Ränder allmählich diffus werden. Ab diesem Zeitpunkt ist die zum Cumulonimbus calvus herangewachsene Wolke in der Lage, Niederschlag zu produzieren.

Das Wachstum geht solange weiter, bis der Cumulonimbus entweder eine Inversion oder gar das Ende der Troposphäre erreicht hat. Von da an breitet sich die Wolke immer mehr horizontal aus und der obere Teil nimmt die Form eines riesigen Ambosses an. Damit besteht die Wolke nur noch im unteren Teil aus Wasserdampf; im oberen Teil ist sie eine reine Eiswolke mit Temperaturen unter minus 25 Grad geworden. Ihre Ränder werden langsam immer faseriger. Fachgerecht ist die Wolke jetzt ein Cumulonimbus capillatus, bildet heftige Schauer und häufig auch Gewitter mit Sturmböen aus. In diesem Zeitraffer auf Youtube kann man die Entwickling wunderbar sehen.

Über die Intensität des Wetters unter einem Cumulonimbus entscheidet vor allem die vertikale Höhe einer solchen Wolke. Im Winter erreichen sie oft nur eine Höhe von 4.000 bis 5.000 Meter und bringen meist nur Schauer oder kurze Gewitter. Im Sommer liegt die Nullgradgrenze höher und die Sonneneinstrahlung sorgt bei labiler Luftschichtung für einen starken Auftrieb, so daß die Cumulonimben manchmal bis zum Ende der Troposphäre in etwa 10.000 Metern hochwachsen können und dann schwere Sommergewitter oder gar Unwetter bringen.

Nachdem die Wolke ihren Höhepunkt überschritten hat, lassen Schauer und Gewitter langsam nach und der Cumulonimbus löst sich von unten nach oben hin allmählich auf (nachlassender vertikaler Antrieb). Der Amboss wird durch die Höhenwinde ausgeweht und nimmt immer mehr das faserige Aussehen von Cirrus an. Letztendlich bleibt nur noch der Eisschirm übrig, der noch lange erhalten bleiben kann, bis er schließlich immer dünner wird und sich auflöst.

Nachfolgend das Leben und Sterben eines Cumulonimbus in Bildern.

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Gewitterstimmung

Schöne Wolkenstimmung gestern über dem Mangfallgebirge. Den ganzen Tag schon entstanden über den Alpen immer wieder kleine Gewitter. Am Abend dann wurden diese von der untergehenden Sonne schön beleuchtet. Foto und Video: Michael Schmuck