Regenbogen bei großer Sonnenhöhe

In der letzten Woche zeigte die in Richtung Wendelstein blickende Webcam Hochries einen interessanten Regenbogen, der sich unterhalb des Horizontes befindet. Zum Zeitpunkt des Regenbogens befand sich die Sonne 48° über dem Horizont. Halt Moment … hatten wir nicht mal in der Schule gelernt, dass ein Regenbogen bei Sonnenhöhen >40° nicht mehr auftreten kann?

Was ist ein Regenbogen überhaupt? Eigentlich ist der Name „Bogen“ irreführend, denn der (Haupt-)Regenbogen ist in vollständiger Ausbildung ein farbiger Kreis mit einem Durchmesser von rund 42° um den Sonnengegenpunkt. Dieser entsteht wenn die Sonne auf Regentropfen tritt, die bei Eintritt das Licht in seine Spektralfarben aufspalten. Nach einer Reflexion an der Tropfenrückseite tritt das Licht in einem Winkel von 42° wieder aus. Wenn das austretende Licht unser Auge trifft, können wir den Regenbogen sehen.

Vom flachen Land aus gesehen befinden sich nur in der Ebene Regentropfen, weswegen der Regenbogen nur bis zum Horizont als Halbkreis zu sehen ist. Bei horizontnaher Sonne ist er in voller (Halb-)Größe zu bestaunen, bei steigender Sonne (und entsprechend sinkendem Sonnengegenpunkt) wird der sichtbare Teil immer geringer, bis bei einer Sonnenhöhe von ca. 40° auch der obere Scheitelpunkt am Horizont verschwindet.

Anders ist es allerdings auf einem Berg. Denn dann fallen die Regentropfen auch unterhalb des Beobachters ins Tal. Bei horizontnaher Sonne setzt sich der Halbkreis nach unten hin fort. Steigt die Sonne jedoch über 40°, dann sinkt zwar auch hier der Regenbogenscheitel unter den Horizont, aber da sich auch dort Wassertröpfchen befinden, bleibt der Regenbogen sichtbar. Man sollte ihn bei dieser Sonnenhöhe also nicht mehr am Himmel suchen, sondern im Gegensonnenbereich im Tal.

Wer einen Regenbogen einmal in voller Schönheit sehen möchte, muss sich allerdings bei entsprechenden Bedingungen in noch höhere Gefilde begeben, am besten auf einen Sendemast oder (als Pilot) in ein Flugzeug. Dann kann man ihn mit viel Glück wie in diesem Fotobeispiel sehen. Es funktioniert aber auch an Wasserfällen oder mit einem Wasserschlauch. Am besten einfach mal ausprobieren … 😉

Text und Fotos: Claudia Hinz

 

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